Jeder weiß, dass man ein gutes Pitchdeck braucht. Wenige wissen, was „gut" in diesem Zusammenhang bedeutet. Denn ein gutes Deck ist nicht das, das am schönsten aussieht. Sondern das, nach dem die Gegenseite keine Fragen mehr hat – außer: „Wann können wir anfangen?"

Dieser Leitfaden zeigt, worauf es tatsächlich ankommt. Nicht aus der Perspektive einer Agentur, die Ihnen etwas verkaufen will. Sondern aus der Erfahrung von über 120 begleiteten Transaktionen.


Der häufigste Fehler: Sie erzählen Ihre Geschichte.

Das klingt erst mal richtig. „Erzähl deine Story" ist der meistgegebene Ratschlag. Und er ist nicht falsch – aber er wird fast immer falsch verstanden.

Was Unternehmer daraus machen: eine Chronologie. Wie alles angefangen hat. Welche Hürden überwunden wurden. Was aufgebaut wurde. Das ist nachvollziehbar, aber es ist die falsche Perspektive.

Die Gegenseite interessiert sich nicht für Ihre Vergangenheit. Sie interessiert sich für ihre eigene Zukunft. Ein Käufer denkt: Was verdiene ich damit? Ein Investor denkt: Wie schnell skaliert das? Ein Partner denkt: Was bringt mir das, was ich allein nicht kann?

Ein gutes Deck beantwortet nicht die Frage „Was haben Sie aufgebaut?" – sondern die Frage „Was bekomme ich, wenn ich einsteige?"


Die 7 Elemente, die jedes Pitchdeck braucht.

Egal ob Verkauf, Finanzierung oder Partnerschaft – diese sieben Bausteine müssen vorhanden sein. Nicht als starre Vorlage. Sondern als Denkgerüst.

1

Die Positionierung in zwei Sätzen

Was macht das Unternehmen – und für wen? Nicht in Fachsprache. Nicht in Buzzwords. Sondern so, dass jemand ohne Branchenwissen in zehn Sekunden versteht, worum es geht. Das ist schwerer, als es klingt. Und genau deshalb scheitern die meisten schon hier.

2

Das Problem, das Sie lösen

Nicht Ihr Produkt. Nicht Ihre Technologie. Sondern das Problem aus Sicht Ihrer Kunden. Warum zahlen die Ihnen Geld? Was passiert, wenn Sie morgen vom Markt verschwinden? Wenn die Antwort „nichts" ist, haben Sie ein Problem. Wenn die Antwort konkret ist, haben Sie Ihr stärkstes Argument.

3

Das Geschäftsmodell – einfach erklärt

Wie verdienen Sie Geld? Einmalig oder wiederkehrend? Wie hoch sind die Margen? Was kostet es, einen Kunden zu gewinnen – und wie lange bleibt er? Keine komplizierten Tabellen. Sondern die Logik dahinter, in Worten, die man beim Mittagessen versteht.

4

Zahlen, die Vertrauen schaffen

Umsatzentwicklung, Kundenanzahl, Wachstumsrate. Nicht jede Zahl, die Sie haben – sondern die fünf bis zehn Kennzahlen, die die Substanz Ihres Unternehmens belegen. Ordentlich aufbereitet. Nachvollziehbar. Ohne Beschönigung, denn die fliegt spätestens bei der Prüfung auf.

5

Der Wettbewerbsvorteil – ehrlich bewertet

Warum können andere nicht einfach das Gleiche tun? Nicht jedes Unternehmen hat ein Patent oder eine einzigartige Technologie. Aber jedes hat etwas, das schwer kopierbar ist: Kundenbeziehungen, Prozesse, Marktzugang, Wissen. Finden Sie es – und benennen Sie es klar.

6

Das Team und die Abhängigkeiten

Die unbequemste Frage bei jedem Verkauf: Was passiert, wenn der Inhaber geht? Und bei jeder Finanzierung: Kann das Team liefern, was versprochen wird? Wer hier keine klare Antwort hat, wird zum Risiko. Und Risiko wird immer eingepreist – egal wie gut die Zahlen aussehen.

7

Der klare nächste Schritt

Was soll die Gegenseite nach dem Lesen tun? Ein Gespräch vereinbaren? Ein Angebot abgeben? In die nächste Runde gehen? Ein Deck ohne klare Handlungsaufforderung ist wie ein Verkaufsgespräch ohne Abschluss – viel Aufwand, kein Ergebnis.


Drei Dinge, die Sie weglassen sollten.

Was nicht im Deck steht, ist genauso wichtig wie das, was drin steht. Diese drei Fehler sehe ich in fast jedem Entwurf:


Die unsichtbare Ebene: Was Ihr Deck über Sie aussagt.

Ein Pitchdeck ist mehr als Information. Es ist ein Signal.

Ein schlecht strukturiertes Deck sagt: Hier hat sich niemand die Mühe gemacht, klar zu denken. Ein überladenes Deck sagt: Hier weiß jemand nicht, was wichtig ist. Ein oberflächliches Deck sagt: Hier fehlt die Substanz.

Umgekehrt: Ein präzises, durchdachtes Dokument signalisiert der Gegenseite, dass hier jemand sein Unternehmen verstanden hat. Dass die Zahlen stimmen. Dass die Risiken bekannt sind. Dass es sich lohnt, weiterzureden. Die Darstellung senkt das wahrgenommene Risiko – und das verändert die gesamte Verhandlungsposition.

Das ist kein Designthema. Das ist ein strategisches Thema.


Die wichtigste Frage zum Schluss.

Bevor Sie Ihr Deck fertigstellen, stellen Sie sich eine einzige Frage:

Würde die Person auf der anderen Seite des Tisches nach Seite drei noch weiterlesen?

Wenn die Antwort nicht sofort Ja ist, liegt es fast nie am Design. Sondern an der Perspektive, an der Struktur, an der Klarheit. Und genau da lohnt es sich anzusetzen.

Denn am Ende entscheidet nicht der, der das schönste Deck hat. Sondern der, dessen Deck die richtigen Fragen beantwortet – bevor sie gestellt werden.